Afrikanische Schweinepest, eine neue Geißel für Haus- und Wildschweine?

Ein Beitrag von Dr. Jungmann Mit dem Ausbruch der Klassischen Schweinepest in den Niederlanden 1997, wurden mehr als 12 Millionen Hausschweine getötet! Fast 100.000 Hausschweine wurden 2006 in Nordrhein-Westphalen Opfer dieser Seuche.

Immer ist Keulen erkrankter oder gefährdeter Bestände gesetzlich die einzige Alternative. Allein diese Zahlen verdeutlichen das ungeheure Gefahrenpotential der Klassischen Schweinepest für die Schweine-fleischproduktion. Noch gravierender ist ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, gegen sie gibt es weder Mittel zur Prophylaxe, noch zur Therapie. Da in Deutschland diese Seuche bisher nicht auftrat, stellt der deshalb zu erwartende rasanter Verlauf, mit fast immer tödlichem Ausgang, eine außerordentliche Gefährdung aller Haus- und Wildschweine dar. 2012 produzierte die EU 22,5 Millionen t. Schweinefleisch, der größte Teil davon wurde in Nicht-EU Länder exportiert. Russland schloss angesichts der Ausbrüche der ASP in Litauen und Polen seine Grenzen für EU Importe. Sollte sich die Seuche auch in Deutschland ausbreiten, ist zu erwarten, dass weitere Nicht-EU Länder dem Beispiel folgen werden. Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm. Ausschliesslich Schweine und Zecken, speziell Lederzecken, die aber in Deutschland nicht vor -kommen, werden von der ASP befallen. Für Menschen und andere Säugetiere besteht keine Gefahr, an dieser Seuche zu erkranken. Der Erreger ist ein Virus. Übertragen wird das Virus über Kontakt mit allen Körper-ausscheidungen befallener Schweine, aber auch sekundär durch Speisereste (z.B. Leber, Fleisch, Salami). Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche! Jeder, der in irgendeiner Form den Verdacht einer Erkrankung von Schweinen mit ASP hegt, ist verpflichtet, sofort die Veterinärbehörde zu informieren. Alle weiteren Maßnahmen im Zusammenhang mit der ASP obliegen dann ausschließlich der Behörde! Im Unterschied zur klassischen Schweinepest, bei der vornehmlich Frischlinge und Überläufer erkranken, werden bei der ASP alle Altersgruppen befallen! Die von der KSP her bekannten Symptome wie hohes Fieber, Aborte, Bewegungsstörungen, Abgeschlagenheit, Hautverfärbungen sind bei Wildschweinen nicht erkennbar, sind die gleichen bei der ASP, nur mit aller Wahrscheinlichkeit auf Grund des rasanten Verlaufs nicht erkennbar. Die befallenen Tiere verenden, bevor Krankheitssymptome auftreten. Für die Jäger ist daher am ehesten Fallwild zu erwarten. Auf gar keinen Fall sollte ein derartiges Stück Wild aufgebrochen werden! Auch nicht entsorgt werden, weder vergraben, noch über die Tierkörperbeseitigungsanstalt. Jeder Jäger, der sich über diesen Weg verantwortlich für eine weitere Ausbreitung der Seuche macht, handelt strafbar. Auch hier gilt, sofortige Information an das Veterinäramt. Auch bei erlegtem Sauen ist Vorsicht angebracht. Eins der typischen Symptome, sowohl der KSP als auch der ASP, sind punktuelle Einblutungen in innere Organe: Lunge, Milz, Lymphknoten, Niere, Harnblase. Besonders deutlich sind punktförmige Einblutungen auf der weißen Drossel zu erkennen. Sollte dieses besondere Merkmal beim Aufbrechen erkannt werden, ist die weitere Versorgung des erlegten Schweines sofort abzubrechen und die Veterinärbehörde umgehend zu informieren. Mit dieser Information übernimmt die Veterinärbehörde alle weiteren Maßnahmen, aber auch alle weitere Ver -antwortung für die einzuleitenden Prozesse der Seuchenbekämpfung. Der Erleger hat dann ausschließlich den Anweisungen der Behörde zu folgen! Der Gesetzgeber schreibt die sofortige Sicherung des Fund/ Erlegungsortes gegenüber Unbefugten vor. Eine nachts um 23.00 Uhr sicher schwierige Maßnahme. Sie entbindet den Jäger jedoch nicht von seiner Sicherungspflicht und die telefonische Information an die Behörde. Eine frühst mögliche Information an die Veterinärbehörde zu geben, nicht zu letzt, um sich der Verantwortung zu entledigen, sollte selbstverständlich sein. Die jagdlichen Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfung der ASP obliegen ebenfalls der Veterinär-behörde, nicht den Jagdbehörden! Nachdem zu Beginn des Jahres 2014 im Baltikum die ersten zwei und in Polen zwei weitere Fälle von ASP bei Wildschweinen aufgetreten sind, wurden jetzt offiziell vom 24. bis 30.06.2014 weitere Fälle von ASP bei Wildschweinen in Polen festgestellt. Verendet aufgefunden wurden eine Bache mit drei Frischlingen. Die Sauen lagen ca. 300 bis 700m voneinander entfernt. In einem weiteren Fall wurde ein einzelner verendeter Frischling gefunden. Die Fundorte liegen in näherem Zusammenhang mit den Erstfunden im Februar 2014. Neben den genannten Übertragungsmöglichkeiten der ASP bei Wild -schweinen in freier Wildbahn untereinander, gilt es noch einen zusätzlichen Übertragungsweg nach Auftreten der Seuche in Haustierbeständen zu berücksichtigen. Insbesondere in Großanlagen mit Tausenden von Hausschweinen, ist die Lagerkapazität von Gülle in der Regel begrenzt. Es ist durchaus denkbar, dass noch in der Inkubationszeit der ASP, sie beträgt bei Haus- und Wildschweinen etwa zwei bis vierzehn Tage, Gülle auf die Felder gebracht wird. Brechen die Sauen auf diesen Feldern, ist die Infektion gelaufen. Ebenso sind kleinere Betriebe oder individuelle Schweinehalter als potentielle Erregerreservoire zu betrachten. Der verantwortungsbewusste Jäger tut gut daran, auch hier besonders wachsam zu sein. Immer ist jeder Jäger aufgerufen, im volkswirtschaftlichen Interesse, als auch im Interesse der Jagd, seiner Verantwortung für einen gesunden Wildbestand nachzukommen. Die jüngsten Fälle von ASP in Polen, dieser so gefährlichen Seuche, unterstreicht die unbedingte Notwendigkeit laufender Revierkontrollen, mit den bekannten Saueneinständen, der Kirrungen sowie insbesondere der Suhlen, um Infektionsherde rechtzeitig zu erkennen. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, liegt die Ostgrenze Polens nicht in weiter Ferne. Der internationale Transport kennt keine Grenzen mehr. Um so wichtiger ist es für uns Jäger, wachsam zu sein! Das Auftreten der ASP in unseren Wildschweinebeständen wäre eine Katastrophe, für die Hausschweine, für die Wildscheine, für unsere Jagd!

Dr. Jungmann