Brauchtum

Das jagdliche Brauchtum beschreibt Verhaltensweisen und Gepflogenheiten, die Jäger untereinander und während der Jagd ausüben.

Jagdhornsignale

Die Jagdhornsignale stammen aus der Zeit, in der Mobiltelefone und Funkgeräte Zukunftsvisionen waren. In Wald und Flur sind Jagdhornsignale weit zu hören und dienten der Verständigung z.B. bei Gesellschaftsjagden. Mit Hilfe dieser Signale wurden die Beteiligten praktisch durch die Jagd geführt. Heute dienen die Signale mehr der Umrahmung der Jagd. 

Nach der Jagd wird die Strecke gelegt und verblasen, dabei hat jede Wildart ein eigenes Signal. Nicht wenigen, auch erfahrenen Weidgenossen, läuft dabei ein Schauer über den Rücken.

Jägersprache

Jäger verwenden und Pflegen untereinander die Jägersprache als Standes- oder Fachsprache. Nicht-Jägern gegenüber sollten in Gesprächen die Fachbegriffe "übersetzt" werden.

Jägerinnen und Jäger begrüßen sich mit "Weidmannsheil." Die Antwort darauf lautet ebenso. Mit "Weidmannsdank" dagegen antwortet der Jäger, wenn das "Weidmannsheil" als Glückwunsch zur Beute verwendet wird.

Jagdkleidung

Der traditionsbewusste Weidgenosse trägt während der Jagd und bei Zusammenkünften jagdliche Bekleidung und einen Hut. Jacke und Hose sind aus derben und wetterfesten Stoffen gefertigt. Die Hose ist meist grün oder schwarz gefärbt und die Jacke ist grün.

"Das kannst Du Dir an den Hut stecken!" - dieses alte Sprichwort ist auch auf eine jagdliche Tradition zurückzuführen. Der erfolgreiche Jäger steckt sich seine Trophäen auf die rechte Seite an sein Hutband. Selbstverständlich "schmückt man sich nicht mit fremden Federn". nur Trophäen von selbst erlegtem Wild kommen an den Hut.

Brüche

Brüche oder Bruchzeichen dienen der Verständigung untereinander und der Weitergabe jagdlicher Informationen. Bruchzeichen werden aus Zweigen weidgerechter Holzarten (Fichte, Tanne, Eiche, Erle & Kiefer) vom Jäger angefertigt. Dabei werden diese Zweige nicht abgeschnitten, sondern, wie der Name es schon sagt, gebrochen.

Streckelegen

Nach erfolgreichen Gesellschaftsjagden wird das erlegte Wild "zur Strecke" auf Tannen- oder Fichtenreisig gelegt.

Auch für das Streckelegen gibt es traditionelle Regeln. Hochwild wird vor Niederwild und männliches vor weibliches Wild auf die rechte Körperseite gelegt. Oft wird der Platz mit Fackeln beleuchtet und alle an der Jagd Beteiligten sind anwesend. Durch den Jagdleiter wird bekannt gegeben, was zur Strecke gebracht wurde.

Jede Wildart wird anschließend mit ihrem "Signal" auf dem Jagdhorn "verblasen." Den Abschluss bilden die Jagdhornsignale "Jagd vorbei" und "Kleines Halali." Meist geht es danach zum "Schüsseltreiben" - dem gemeinsamen Essen.

Schüsseltreiben

Zum Ende einer Gesellschaftsjagd gibt es ein gemeinsames Essen für die Jäger, Treiber und Hundeführer, das so genannte „Schüsseltreiben." Einige Stunden an der frischen Luft und viel Bewegung machen ordentlich Kohldampf.

Dazu passt auch der Text des Signals "Schüsseltreiben." Der lautete im letzten Satz "..Erbsensuppe mit fettem Schweinebauch..", was nach einem deftigen Eintopf klingt. Dabei werden viele Erfahrungen ausgetauscht und so manch ein Rasselbock beschrieben...

Jagdgericht

Während des Schüsseltreibens wird oft ein Jagdgericht einberufen, das Jäger, Treiber und Hundeführer, die gegen das Brauchtum verstoßen haben, bestraft. Der Delinquent hat dann oft eine Getränkerunde auszugeben und harmlose Späße über sich ergehen zu lassen.

Früher war es auch durchaus üblich, körperliche Strafen, wie Schläge mit dem Weidblatt, einem großen Jagdmesser, auf den Allerwertesten zu verteilen. Nicht nur der Jungjäger möge sich hüten, mit rechts zu prosten oder über die Strecke zu treten... Das Jagdgericht kann auch Ehrungen für vorbildhaftes Verhalten vornehmen.

Jägerlatein

Das Jägerlatein ist der große Bruder des Anglerlateins. Jäger sind zwar keine Lügner, aber ab und zu wird schon gern einmal etwas übertrieben oder dazugedichtet. Manchmal versuchen einige Jäger auch "Zivilisten" aufs Glatteis zu führen. Dabei kann es dann schon mal passieren, dass ein Weidgenosse einen kapitalen Rasselbock erlegt hat.